Bischof Heiner Willmer mit Moderatorin Miriam Janke.Fotos: Andreas Schuppert/CV Dresden
Über 1.000 Teilnehmer, 60 thematische Sessions, Jahresempfang, Gottesdienst in der sanierten St. Hedwigs-Kathedrale, Exkursionen. Der Caritas-Kongress bot ein straffes und umfangreiches Programm. "Es ist eine gute Gelegenheit des Austausches, der Begegnung und der Vernetzung", sagt Antoinette Steinhäuser, Referentin für Gesundheit und Pflege beim Caritasverband für das Bistum Dresden-Meißen, die für ihren Verband an der Veranstaltung im Berliner EUREF Campus teilgenommen hat. Über den eigenen Tellerrand zu schauen und Impulse für die eigene Arbeit mitzunehmen, ist unter anderem wichtiges Anliegen des Treffens.
Mit dem Cari-Mobil des Caritasverbandes Dresden sind die Geschäftsführer Juliana Schneider und Sebastian Kieslich angereist. "Ich verspreche mir wichtige Impulse für unsere Arbeit vor Ort", meint Juliana Schneider. Sich auszutauschen, neue Leute kennenzulernen und für die Arbeit fruchtbar zu machen, ist auch das Anliegen von Sebastian Kieslich. Selten mal habe man so viele Caritas-Akteure auf einmal zusammen, sagt er. "Da bieten sich viele Möglichkeiten der Information und der Vernetzung." Zum Beispiel mit dem neuen Bischof von Münster und Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, der sich vor dem Dresdner Carimobil mit einigen Teilnehmern aus dem Bistum Dresden-Meißen bereitwillig ablichten ließ.
Der Sozialwissenschaftler Aladin El-Mafaalani im Gespräch mit Moderatorin Paulina Hauser.
Alt und jung zusammenbringen
Überhaupt gaben sich beim Caritaskongress Prominente die Klinke in die Hand. Die Bundesfamilienministerin Karin Prien hielt den Teilnehmern ein Grußwort, der frühere Bundesinnenminister Thomas de Maiziére ist ebenso gekommen wie die frühere CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer oder Achim Meyer auf der Heyde, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege. Dazu Wissenschaftler, Experten und Fachleute, die mit der Caritas über ihr Jahresthema "Zusammen geht was. Caritas verbindet Generationen" sprechen wollten. Die Caritas stelle "den Menschen in den Mittelpunkt, den Bedürftigen, den sozial Abgeschlagenen", betonte Bischof Wilmer. "Sie entfaltet durch ihre Arbeit die große gemeinschaftsstiftende und verbindende Kraft der Vielen, die sich für ihren Nächsten einsetzen. Als Kirche haben wir die Aufgaben, die Menschen in die Mitte zu stellen".
Das aber ist oft nicht so einfach, denn "Ohnmacht, Sprachlosigkeit zwischen den Generationen und eine Art aggressiver Resignation beherrschen viel zu oft unseren Alltag", hob die Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes Eva Maria Welskop-Deffaa hervor. Dagegen setzte die Caritas das friedliche Miteinander der Generationen. "Als Caritas in Deutschland suchen wir nach Lösungen, wie Lähmungen überwunden und Spaltungen vermieden werden können."
Das Gespräch und der gegenseitige Austausch standen beim Caritas-Kongress im Mittelpunkt.
Menschen können ihren Platz im Leben finden
Dass aus wissenschaftlicher Sicht die Spaltungen in der Gesellschaft jedoch gar nicht so tief sind, stellte überraschenderweise der Sozialwissenschaftler Aladin El-Mafaalani fest. Dies belegten aktuelle Studien, und danach gebe es kaum eine so homogene Gruppe auf der Welt wie die Deutschen. Gefährlich sei es aber, wenn sich misstrauische Menschen zu "Misstrauensgemeinschaften" verbinden, deren Theorien in der digitalen Welt ungebremste Verbreitung finden. Demokratie brauche aber das Vertrauen der Menschen untereinander und miteinander - sonst werde sie nicht mehr funktionieren.
Caritas verbindet - wie das ganz praktisch funktionieren kann, zeigte INVIA Köln Katholische Mädchen- und Frauenarbeit mit einem Berufsprojekt für lernschwache und lernbehinderte junge Menschen, die keinen Schulabschluss haben. In Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer hat INVIA eine Ausbildung zur "Servicekraft in Altenpflegeheimen" konzipiert. Die Teilnehmenden verrichten in den Einrichtungen einfache Hauswirtschaftsarbeiten und sind dabei den Pflegekräften eine große Hilfe. Dabei werden sie von Jobcoaches unterstützt. Das zeigte auch das Beispiel von Jessica, die, wie sie selbst sagt, "immer lacht, immer redet und immer lustig ist - und das gefällt den Bewohnern". Mit der Unterstützung und in der Zusammenarbeit der Generationen können alle Menschen ihren Platz im Leben finden.
Lobbyistin ohne schlechtes Gewissen
Zusammen geht was? In vielen Gesprächen, Foren, Diskussionen und Vorträgen zeigte der Kongress: Bei der Caritas geht was zusammen, nicht nur in den Diensten und Einrichtungen oder in generationsübergreifenden Projekten, sondern auch in der politischen Arbeit, im Einsatz für Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit, als anwaltschaftliche "Lobbyistin ohne schlechtes Gewissen", wie jemand sagte - für die Armen und Ausgrenzten, Bedürftigen und in Not Geratenen, die den Anschluss zu verlieren scheinen. Zusammen geht was.
Und doch gab es auch schlechte Nachrichten - mitten in den Tagungen erreichte die Teilnehmer die Meldung vom schweren Erdbeben in Venezuela. "Uns betrifft es unmittelbar, denn Haupt- und Ehrenamtliche unseres Verbandes stammen aus Venezuela und haben ihre Familien dort", sagte Juliana Schneider. Spontan spendeten die Teilnehmer des Caritas-Kongresses die Kollekte im gemeinsamen Gottesdienst in der St. Hedwigs-Kathedrale für die Opfer und die Caritas-Hilfe vor Ort, die sofort anlief.
Gruppenbild mit Bischof und Carimobil aus Dresden. Von links: Beate Gilles, Generalsekretärin Deutsche Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, Thomas Arnold, Sächsisches Innenministerium, Sebastian Kieslich, Caritasverband Dresden, Andreas Schuppert und Antoinette Steinhäuser, Diözesancaritasverband Dresden-Meißen, Juliana Schneider, Caritasverband Dresden.