Bevor die Caritas-Mitarbeitenden 2013 zu ihrer Wallfahrt nach Wechselburg aufbrechen wollten, kam das Hochwasser der Elbe und überflutete weite Teile Sachsens und Sachsen-Anhalts. Obwohl der Katastrophenschutz seit der Flut 2002 verbessert wurde, waren erneut viele Menschen betroffen. Spontan entschieden sich die Mitarbeitenden der Caritas, die Wallfahrt ausfallen zu lassen und beim Aufräumen der Flutschäden zu helfen - Krisen und Katastrophen können jeden Tag passieren, unvorhergesehen und augenblicklich. Führungskräfte der Caritas dachten jetzt in Dresden darüber nach, wie man ihnen vorbeugen und wie man mit ihnen umgehen kann.
Krisenbewältigung braucht Strategien: Peter Seidel (links) und Philipp Schröder von Caritas international im Gespräch mit Mechthild Gatter.Fotos: Andreas Schuppert
"Ob Pandemie, gesellschaftliche Spannungen, wirtschaftliche Unsicherheiten oder persönliche Belastungen - Krisen sind kein Ausnahmezustand mehr, sondern längst Teil unserer Realität", sagt die stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Diözesancaritasverbandes, Claudia Kokott, zu Beginn der Tagung. Widerstandsfähiger könne man unter anderem nur durch klare Prozesse und gute Kommunikation werden. Kann die Caritas Krise?
Gegen eine "Katastrophen-Demenz"
Abgesehen von der Wirkung von Caritas international, dem Katastrophenhilfswerk der deutschen Caritas, habe der Verband auch auf regionaler Ebene durchaus Erfahrung, sagt Mechthild Gatter, Abteilungsleiterin Fachberatung und Sozialpolitik im Caritasverband für das Bistum Dresden-Meißen. Die großen Flutkatastrophen in der Region 2002 und 2013, die Fluchtbewegung 2015 oder die Corona-Pandemie seien Ereignisse gewesen, bei denen die Caritas als Helferin und Unterstützerin gefragt war - vor allem durch ihre schon vorhandene Strukturen der Beratung und andere Hilfsangebote.
Krisen sind Teil unserer Realität: Die stellvertrende Vorstandsvorsitzende des Diözesancaritasverbandes Claudia Kokott.
Dennoch warnt Peter Seidel von Caritas international vor einer "Katastrophen-Demenz", die den Krisenfall eher noch als eine Ausnahmeerscheinung sieht, sodass schwierige Situationen wieder in Vergessenheit geraten. Die entscheidende Frage sei, "wie gehen wir mit Krisen um, was kann die Caritas tun und wie lassen sich Erfahrungen austauschen?" Dabei dürfe es nicht darum gehen, ständig "eigene Produkte" anzubieten, meint Philipp Schröder von Caritas international, sondern sich auszutauschen, um nicht "das Rad ständig neu zu erfinden".
Informationen müssen verstanden und umgesetzt werden
Der Resilienzfaktor (Widerstandsfähigkeit) in den Diensten, den Einrichtungen, aber auch bei Mitarbeitenden und Klienten spiele dabei eine entscheidende Rolle. Das erfordere wiederum die Vernetzung mit anderen Akteuren. "Was muss der Landkreis tun, wenn sich eine Altenpflegeeinrichtung in der Krise befindet?", stellt jemand die ganz praktische Frage. Ein Szenarium, das sich nur durch gute Vorbereitungen meistern lässt. Resilienz in der Gesellschaft kann nur gestärkt werden, wenn viele Akteure zusammenarbeiten. "Informationen müssen aber auch verstanden und umgesetzt werden", ist die Erfahrung von Peter Seidel. Das setzt wirksame Kommunikation und Transparenz voraus.
Was können Dienste und Einrichtungen tun? Führungskräfte der Caritas tauschen sich über mögliche Krisensituationen aus.
Am Ende wird deutlich, dass sich auch die Einrichtungen der Caritas noch besser auf Krisen und Katastrophen vorbereiten müssen, auch wenn sie in der "Akuthilfe viele Erfahrungen haben". Vorsorge durch Notfallpläne, die Zusammenarbeit von gesellschaftlichen Organisationen der Katastrophenhilfe, die Schulung von Mitarbeitenden oder ein wirksames Risikomanagement sind dabei nur einige Stichpunkte. Der Caritasverband für das Bistum Dresden-Meißen plant weiterere Veranstaltungen zum Thema. Zudem sollen Materialien und Arbeitshilfen zur Verfügung gestellt werden. (as)