Armut hat viele Gesichter. Sie zeigt sich nicht nur in leeren Geldbeuteln, sondern auch in fehlenden Bildungschancen, sozialer Isolation, psychischer Belastung und der Frage, ob junge Menschen überhaupt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Im Rahmen der diesjährigen Armutswochen richten Caritas, Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) und Sozialdienst katholischer Männer (SkM) den Blick deshalb besonders auf Jugendarmut.
Armut verhindert Teilhabe an der Gesellschaft
"Armut im jungen Alter entscheidet viel zu häufig darüber, welche Möglichkeiten ein Mensch im weiteren Leben hat", sagt Dr. Johanna Rautenberg, Referentin für Allgemeine soziale Beratung im Caritasverband für das Bistum Dresden-Meißen. "Es geht nicht nur um Geld. Es geht um Chancen, Anerkennung, Bildung, Gesundheit und die Möglichkeit, selbstbestimmt Zukunft zu gestalten. Unsere Armutswochen wollen sichtbar machen, wo junge Menschen Unterstützung brauchen - und zeigen, dass Veränderung möglich ist."
Jugendarmut bleibt häufig verborgen. "Junge Menschen leben nicht immer sichtbar in materieller Not. Manche verzichten auf warme Mahlzeiten, passende Kleidung oder die Teilnahme an Klassenfahrten", so Johanna Rautenberg. "Andere können sich kein Busticket, keinen Internetzugang oder keine Freizeitaktivitäten leisten. Wieder andere übernehmen früh Verantwortung für ihre Familie, leben in unsicheren Wohnverhältnissen oder stehen nach dem Ende der Schule ohne Perspektive da." Was nach individuellen Schwierigkeiten aussehe, ist oft Ausdruck struktureller Benachteiligung.
Caritas, SkF und SkM: Unterstützung, die ankommt
Die Caritas, SkF und SkM setzen sich in ihren Beratungsstellen, Einrichtungen und Projekten täglich dafür ein, dass junge Menschen in schwierigen Lebenslagen nicht allein bleiben. Die Angebote reichen von allgemeiner Sozialberatung, Schuldner- und Insolvenzberatung über Jugendsozialarbeit, Wohnungslosenhilfe und Familienberatung bis hin zu Hilfen für junge Menschen in Ausbildung, bei psychischen Belastungen oder in Krisensituationen.
Im Mittelpunkt steht dabei stets der einzelne Mensch mit seiner persönlichen Lebensgeschichte. Die Verbände wollen nicht über junge Menschen sprechen, sondern mit ihnen. Ihre Erfahrungen und Perspektiven sollen in die Gestaltung von Angeboten und politischen Entscheidungen einfließen.
"Wir begegnen jungen Menschen auf Augenhöhe", betont Dr. Rautenberg. "Unsere Aufgabe ist es, zuzuhören, Orientierung zu geben und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Manchmal geht es zunächst um einen Antrag oder eine finanzielle Überbrückung." Zudem brauche es Unterstützung bei der Wohnungssuche, bei der Ausbildungsplatzsuche oder im Umgang mit Schulden.
Die Armutswochen bieten Gelegenheit, diese Arbeit sichtbar zu machen. Sie gipfeln im Welttag der Armen, in diesem Jahr am 15. November, der von Papst Franziskus erstmalig 2016 ausgerufen wurde und die Situation von armen Menschen weltweit in den Blick nimmt. (as)