Mitarbeiter, Ehrenamtliche und viele Gäste sind zum Jubiläum gekommen.Foto: Andreas Schuppert
Das Leben in seiner letzten Phase begleiten, zuhören und da sein - mit Wärme, Respekt und Zuwendung. Das ist die Arbeit des ambulanten Christlichen Hospizdienstes Dresden, der nur kurz nach der Wiedervereinigung 1991 gegründet wurde. Seit über drei Jahrzehnten stehen seine haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter schwerstkranken und sterbenden Menschen sowie ihren Angehörigen zur Seite. Freunde, Wegbegleiter und zahlreiche Gäste sind gekommen, um zu feiern, aber auch, um die Bedeutung des Hospizdienstes hervorzuheben - der Mensch behält seine Würde bis zuletzt.
Wenn Ansgar Ullrich, seit 2004 hauptamtlicher Koordinator des Christlichen Hospizdienstes, zurückblickt, dann sind es viele Persönlichkeiten und Institutionen, die den Hospizdienst ins Leben gerufen, gefördert und geprägt haben. Ullrich nennt die Ärztinnen Maria Ziegenfuß und Dr. Barbara Schubert, den katholischen Pfarrer Alfred Bock und Klaus Milde, frühere und aktive Vorstände, die Schwestern von der heiligen Elisabeth oder die Deutsche Krebsgesellschaft. Stellvertretend für viele Engagierte, denn die Liste derer, die sich um die Einrichtung verdient gemacht haben, ist zu lang, als das alle genannt werden könnten.
Verlässlicher Partner in der sächsischen Hospizlandschaft
Seit seiner Gründung habe sich der Dienst beständig weiterentwickelt, betont Antoinette Steinhäuser, Referentin für Gesundheit und Pflege im Caritasverband für das Bistum Dresden-Meißen. "Als Diözesancaritasverband schauen wir mit viel Respekt und dankbar auf die Entwicklung unseres korporativen Mitgliedes", betont Steinhäuser. "Für viele Menschen in Dresden ist der Dienst mit seinen Haupt- und Ehrenamtlichen eine wichtige Stütze in einer besonderen Lebenssituation geworden."
Das bestätigt auch Susanne Finck, Geschäftsführerin des Landesverbandes für Hospizarbeit und Palliativmedizin Sachsen. Der Christliche Hospizdienst sei nicht nur der erste Dienst dieser Art in Sachsen gewesen, sondern er habe auch die Hospizbewegung im Freistaat wesentlich geprägt und sei ein wichtiger Teil der palliativen Versorgung im Land. Die enge Verbindung zum Krankenhaus St. Joseph-Stift, in deren Gebäude der Hospizdienst untergebracht ist, hob dessen Geschäftsführer Viktor Helmers hervor.
Claudia Leide vom Leitungsteam Pastoral und Verkündigung des Bischöflichen Ordinariates stellt in einer Kerzensymbolik dar, dass es vom Ende her auch immer eine Verbindung mit dem Anfang des Lebens gebe, was sich im Bistum besonders bei den Segensfeiern für Neugeborene zeige. Stärke, Mut und Kraft können sich Menschen nicht selbst geben, sie sind immer auf andere angewiesen.
Teresa Boinski ist ehrenamtliche Hospizbegleiterin.Foto: Andreas Schuppert
Eintauchen in das Leben
Wie sehr der Christliche Hospizdienst in Dresden gewachsen ist, kann Koordinator Ansgar Ullrich mit Zahlen zeigen. 10.500 Patienten und Trauernde hat der Hospizdienst seit 1991 begleitet. Insgesamt 60 Ehrenamtskurse für 750 Hospizbegleiterinnen und -begleiter haben stattgefunden. Im Christlichen Hospizdienst sind heute acht hauptamtliche Koordinatoren und etwa 160 Ehrenamtliche tätig.
Eine ist Teresa Boinski aus Dresden, die bereits vier Patienten begleitet hat. Eine Buchzeile hat für sie unter anderem den Anstoß gegeben: "Wenn du keine Angst mehr vor dem Sterben hast, hast du auch keine Angst mehr vor dem Leben." Teresa Boinski berührt es, die Wege des Lebens mitzugehen - mit der Freude und Heiterkeit, aber auch mit der Trauer und dem Schmerz. Wenn sie in das Leben eines sterbenden Menschen eintaucht, wie sie sagt, mit all den Widrigkeiten, die ein Leben mit sich bringt, spürt sie auch die Vergänglichkeit des Daseins.
"Die Menschen, die ich begleitet habe, haben mir viel gezeigt. Ich habe gelernt, da zu sein, auch den Schmerz und die Trauer des anderen auszuhalten." Einer Patientin, die sich selbst herabgesetzt hat, konnte sie anschauen, ihren "Blick halten" und ihr sagen, wie wertvoll sie ist. Sterbende, so ist ihre Erfahrung, haben eine große Offenheit. "Und ich kann in diesen Raum hineingehen."
Am Ende liest die Berliner Bestatterin, Trauerbegleiterin, Notfallseelsorgerin und Musikerin Sarah Benz "Sarggeschichten" - ein Buch, das aus einem Filmprojekt entstanden ist. Die Geschichten handeln davon, dass man einen wertvollen Menschen verlieren kann, dass man das Recht hat, selbstbestimmt Abschied zu nehmen und dass man sich auf das Ende vorbereiten kann. Und dass man seine Würde behält - bis zuletzt. (as)