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Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Caritas, liebe Gäste auf unserer Website,
im ersten Moment merken wir es gar nicht. Jesus sitzt im Tempel von Jerusalem, dem übrigens damals auch größten Bankhaus der östlichen Welt, und beobachtet eine Witwe, die in den dort aufgestellten Opferstock eine winzig kleine Geldspende einwirft. (vgl. Mk 12,38-44, Sonntagsevangelium). Ob es dabei mächtig gescheppert hat in dem trompetenförmigen Trichter der Spendenbox, ist eher zu bezweifeln. Warum interessiert sich Jesus für diese Frau und die äußerst milde Gabe?
Nun, vielleicht ist er in diesem Moment der einzige, dem auffällt, dass man hier "im falschen Film" sitzt. Die im Tempel aufgestellten Opfergefäße waren bestimmten Spendenzwecken zugedacht. Ein solcher Zweck war schon vom Gesetz des Mose her für die Witwen und Waisen und zur Unterstützung der Fremden im Land gedacht, denn das waren so ziemlich die Ärmsten der Armen im Land, da sie auf keine eigenen Einkünfte zurückgreifen konnten.
Gerade aber solch eine Witwe spendet selbst Geld. Allerdings ist es ein Betrag, der so klein ist, dass man schon zur damaligen Zeit so gut wie nichts mehr im Handel dafür bekam. Sie tut es trotzdem, und Jesus erklärt - wortwörtlich - sie hätte ihr ganzes "Leben" damit in den "Klingelbeutel" geworfen. Mit anderen Worten: Sie setzte alle Hoffnung auf Gott, denn sonst hatte sie offensichtlich niemanden mehr, der ihr Beistand.
Caritas aber hätte auch damals bedeutet, diese Nächste zu lieben, sie zu umsorgen, ihr beizustehen und nicht mit frommen Sprüchen und beschwichtigenden Worten ihr noch ein schlechtes Gewissen zu machen, sodass sie ihr letztes Geld hergibt, um die "Bank" reicher zu machen.
Ja, es muss etwas erwirtschaftet werden, um es anschließend verteilen zu können. Aber verteilen wir denn wirklich gerecht oder leben wir nicht vielmehr in einer "verkehrten Welt"?
Es grüßt
Pfarrer Dr. Andreas Martin
Caritasrektor
E-Mail: am.ma@gmx.de, 0351/79517590
Dr. Clemens Pilar: https://www.youtube.com/watch?v=jldtHP7JkGw