Fahrrad-Pilger aus Chemnitz und Dresden.Foto: Andreas Schuppert
Ob aus der Pflege, den Beratungsdiensten, der Kinder- und Jugendhilfe oder der Betreuung für Menschen mit Behinderungen: Bei der Caritas-Mitarbeiterwallfahrt treffen sich Menschen, die sonst eigentlich nichts miteinander zu tun haben oder sich vielleicht nie begegnen würden. Um Gottesdienst zu feiern, sich kennenzulernen und miteinander nachzudenken. Auf Wallfahrt zu gehen bedeutet für viele, sich zu besinnen, zu beten oder sich einfach auszuspannen.
Im Gottesdienst sieht Bischof Heinrich Timmerevers mit Dankbarkeit auf den Dienst der Caritas-Mitarbeitenden. Wenn Jesus in der Bibel über seine Anhänger sage, dass sie das "Salz der Erde" seien, gelte das heute besonders für Menschen, die sich anderen zuwenden, helfen, wo es nötig ist, und den Blick für die Not haben. "Ihr alle, die ihr diesen Caritasdienst leistet, seid Salz der Erde - ob katholisch, evangelisch oder konfessionslos." In der Bibel begegneten auch immer wieder Heilungsgeschichten. Heilung, so der Bischof, könne aber nur geschehen, wenn sich ein Mensch einen anderen zuwendet.
Miteinander reden, zuhören, Verständnis zeigen
Generationen zu verbinden, ist das Anliegen der Caritas-Jahreskampagne. Gespannt durfte man deshalb auf das Podiumsgespräch verschiedenster Altersgruppen sein: die Caritas-Freiwilligendienstleistenden Cecilia Löschner und Franz Straßberger, Bischof Heinrich Timmerevers und Martin Modschiedler, sächsischer Landtagsabgeordneter und Integrationsbeauftragter der Landesregierung. "Was müssen die Generationen miteinander tun, damit Zukunft gelingt?", fragt Moderatorin Mechthild Gatter. Bischof Timmerevers hat dieses Miteinander vor allem in seiner Familie erlebt. Er ist auf einem Bauernhof aufgewachsen, wo alle Generationen zusammenlebten, Freude und Leid, Leben und Sterben geteilt haben. "Ich habe gelernt, wie man mit Menschen verschiedenster Generationen umgeht. Das hat mein Leben sehr geprägt."
Martin Modschiedler beobachtet nicht nur einen Konflikt der Generationen, sondern insgesamt einen raueren Umgang in der Gesellschaft. "Mir scheint, dass wir nur noch übereinander statt miteinander reden und jeder nur noch an sich selbst denkt", so Modschiedler. Bei ausländerfeindlichen Tendenzen ist er besonders allergisch. Ob in der Pflege oder bei der Müllabfuhr, ohne Menschen mit Migrationshintergrund könne diese Gesellschaft nicht mehr existieren. "Wir müssen miteinander reden", sagt der Politiker. In einer guten Demokratiebildung sieht er dabei besonderes Potenzial.
Auch kirchlich eine gemeinsame Sprache finden
Cecilia Löschner und Franz Straßberger plädieren für einen aufrechten Dialog. "Ich wünsche mir, dass die Generationen zueinander aufrichtig sind und dass Menschen gesellschaftlich inkludiert werden", meint Cecilia. Dies brauche verlässliche Formen des Gespräches. Die Frage sei aber auch, wie junge Menschen
Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen können, meint Franz, der seinen Freiwilligendienst in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung absolviert. Auch kirchlich gesehen könne ein guter Generationendialog stattfinden, wenn man eine gemeinsame Sprache finde.
Weitere Angebote für die Wallfahrer waren eine Kirchenführung durch die Wechselburger "Basilika minor" mit Sabine Bley, der langjährigen Gemeindereferentin im Ort, oder eine Singerunde mit Nicole Rönsch und Norbert Baltzer im Park des Klostergeländes. Unter der geschickten Anleitung von "Upcyclerin" Ines Szyszka vom Caritasverband Dresden entstand ein Generationenbild, das demnächst veröffentlicht wird. Andere stimmten sich schon mal auf die Fußball-Weltmeisterschaft ein und kickten ein paar Runden auf dem Sportplatz.
Vor allem Dankbarkeit empfinden die Mitarbeitenden bei ihrer Wallfahrt. "Ich freue mich zwei Jahre lang drauf", sagt jemand. "Es ist wie ein großes Ausatmen, das Kraft gibt." Deshalb sei es wichtig, Dank sagen zu können, betonte Caritasrektor Domkapitular Ulrich Dombrowsky in der Abschlussandacht. Dank für die großen und kleinen Dinge, die Brücken bauen und Generationen verbinden. (as)