Auch die Dienste und Einrichtungen der Caritas müssen auf den Ernstfall einer Krise vorbereitet sein.Foto: Judith Thiele
Die stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Diözesancaritasverbandes, Claudia Kokott, machte die Dringlichkeit deutlich: Jede Einrichtung und jeder Verband bringt andere Voraussetzungen mit und begegnet unterschiedlichen Risiken. Gleichzeitig sei allen gemeinsam, dass Krisenvorsorge unentbehrlich ist und aktiv angegangen werden muss. Durch die Veranstaltung führte Mechthild Gatter, Abteilungsleiterin Fachberatung und Sozialpolitik im Diözesancaritasverband und Mitglied im Themennetzwerk Katastrophenhilfe national des Deutschen Caritasverbandes.
Den fachlichen Auftakt gestaltete Florian Wiehring, Diözesanreferent Einsatzdienste/Katastrophenschutz beim Malteser Hilfsdienst e. V. Er gab einen Überblick über den völkerrechtlichen Status der Malteser und die Funktionen und Aufgaben der Hilfsorganisation im Krisenfall. Hilfreich für die Teilnehmenden war die Einordnung der Verantwortlichkeiten zwischen Kommunen und Landkreisen sowie den Ebenen von Land und Bund. Im Kern blieb die zentrale Erkenntnis und der Appell: Bevölkerungsschutz leistet Akuthilfe, ersetzt aber keine eigene Resilienzplanung. Eigenvorsorge, durchdachte Notfallplanungen und eine ausreichende Vorratshaltung sind wichtige Voraussetzungen, um Krisen eigenständig bewältigen zu können. Als Orientierungswert wurde eine Durchhaltefähigkeit von 72 Stunden diskutiert.
Eine gute Vorbereitung ist alles
Wie ein solches Krisenkonzept in der Praxis aussehen kann, zeigten anschließend Dana Erl und Daniela Dederichs vom Caritasverband Essen am Beispiel der CSE-Gruppe. Mit der Vision einer resilienten Stadtgesellschaft mit widerstandsfähigen Einrichtungen und Diensten zum Schutz der Klientinnen und Klienten entwickelten sie ein modulares Krisenkonzept. In einem intensiven Erstellungsprozess entstanden Krisenvorbereitungschecklisten und Notfallpläne für verschiedene Szenarien, die an die jeweiligen Bedarfe angepasst werden. Das Krisenkonzept orientiert sich an den Gefährdungsbeurteilungen des Arbeitsschutzes und ist an das Qualitätsmanagement angebunden.
Eine interessante Erfahrung aus Essen: Eine gute Vorbereitung auf einen Stromausfall decke bereits rund 80 Prozent möglicher Krisensituationen ab. Als weiteren Impuls brachten die Kolleginnen die Idee einer gemeinsamen Arbeitsgruppe der Wohlfahrtsverbände mit Katastrophenbeauftragten ein, um im Krisenfall auf bekannte Ansprechpartner und abgestimmte Prozesse vertrauen zu können.
Krisenvorsorge ist eine dringende Notwendigkeit
Zum Abschluss stellte Daniel Hannemann sein Startup "hundertzwölf Planwerk" vor. Die digitale Plattform des Unternehmens will Einrichtungen dabei unterstützen, auf Grundlage offizieller Empfehlungen und Richtwerte eigene Krisen- und Notfallpläne zu erstellen. Ein strukturierter Fragenkatalog und die Auswahl verschiedener Krisenszenarien sollen die Planung übersichtlich gestalten und den Zeit- und Pflegeaufwand möglichst gering halten.
Der Workshop machte deutlich: Krisenvorsorge ist nicht fakultativ, sondern eine dringende Notwendigkeit, die Zeit und Struktur braucht. Der Austausch von Erfahrungen und die gemeinsame Vorbereitung sollen dazu beitragen, die Handlungsfähigkeit der Caritas im Bistum auch in Ausnahmesituationen sicherzustellen.
Judith Thiele
Der Workshop konnte durch die Unterstützung der Glücksspirale realisiert werden.
