Abschlusserklärung der Caritas-Migrationsfachtagung Nord-Ost 2026 zur Sicherung der unabhängigen Asylverfahrensberatung und zur Fortführung notwendiger Integrationskurse
Die Migrationsfachtagung (MFT) 2026 der Diözesan-Caritasverbände der Region Nord-Ost fand vom 18. bis 20. März 2026 im Kloster Nütschau statt. Sie diente dem fachlichen Austausch, der gemeinsamen Reflexion aktueller Entwicklungen sowie der Weiterentwicklung der Arbeit im Bereich Migration und Integration.
Angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen und der damit verbundenen Fluchtbewegungen wurde die aktuelle Lage mit großer Besorgnis in die fachlichen Beratungen einbezogen.
Im Mittelpunkt der Tagung standen aktuelle Herausforderungen in der Migrationsarbeit, insbesondere im Sozialrecht, im Asylsystem sowie die Situation von EU-Bürger:innen im Leistungsbezug. Auch der Arbeitsmarktzugang wurde thematisiert. Zudem ging es um die Rolle von Lobbyarbeit in politisch schwierigen Zeiten sowie um professionelle Haltung und Resilienz im Arbeitsalltag.
Die Tagung bot Raum für fachliche Impulse, den Austausch in Workshops sowie für strategische Diskussionen. Beiträge aus Wissenschaft und Praxis sowie der Austausch zur Entwicklung der katholischen Flüchtlingshilfe in Deutschland unterstrichen die hohe Relevanz und Dynamik des Arbeitsfeldes.
An der Migrationsfachtagung nahmen Berater und Referenten der Caritas aus der Region Nord-Ost sowie weitere Experten teil, die ihre Perspektiven und Erfahrungen aus der Praxis einbrachten und gemeinsam an Lösungsansätzen arbeiteten.
Die Teilnehmenden der Tagung formulierten zudem einen Appell zu aktuellen migrationspolitischen Entwicklungen. Insbesondere die angekündigte Streichung der Mittel für die unabhängige Asylverfahrensberatung ab 2027 sowie Einschränkungen beim Zugang zu Integrationskursen würden die bestehenden Beratungsstrukturen drastisch einschränken bzw. reduzieren.
Die unabhängige Asylverfahrensberatung (AVB) ist ein zentrales Element eines funktionierenden Asylsystems: Sie trägt zur Beschleunigung und Qualität von Verfahren bei, erhöht die Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen und ermöglicht die frühzeitige Berücksichtigung besonderer Schutzbedarfe. Zugleich wirkt sie kostensparend, da aufwendige Folge- und Gerichtsverfahren reduziert werden.
Auch im Bereich der Integrationskurse besteht erheblicher Handlungsbedarf:
Die Einschränkung des freiwilligen Zugangs erschwert insbesondere für Personen ohne Leistungsbezug den frühen Spracherwerb und damit gesellschaftliche Teilhabe. Alternative Zugänge über Behörden sind häufig ermessensabhängig und führen zu ungleichen Zugangschancen.
Zudem droht eine Verschiebung hin zu kurzfristiger Arbeitsmarktintegration, wodurch Integrationskurse als Grundlage nachhaltiger Integration an Bedeutung verlieren. Auch rechtliche Spannungen im Hinblick auf Gleichbehandlung und europäische Vorgaben sind absehbar.
Vor diesem Hintergrund sprechen sich die Teilnehmenden der Migrationsfachtagung 2026 nachdrücklich für die dauerhafte Sicherung und den bedarfsgerechten Ausbau der unabhängigen Asylverfahrensberatung sowie der Integrationskurse aus.
Beide Angebote sind unverzichtbare Bausteine für gesellschaftliche Teilhabe, Integration und sozialen Zusammenhalt. Einschränkungen oder ein Abbau hätten gravierende negative Folgen für die betroffenen Menschen sowie für die Funktionsfähigkeit des gesamten Systems.