Die Mitarbeitenden verabschieden sich mit Chorgesang.Foto: Andreas Schuppert
"Vertrauensvoll, sorgfältig, verlässlich" - das sind die Eigenschaften Wolfram Magers, die an diesem Tag immer wieder hervorgehoben werden. Etwas wehmütig, vor allem aber gelöst und freudig ist die Stimmung. Es erklingt Musik von "Plan B", die Geschäftsführer und Vorstände der Dekanatscaritasverbände haben ein Abschiedsständchen eingeübt und die Grußworte, unter anderem von Generalvikar Andreas Kutschke, würdigen das Lebenswerk des Caritas-Vorstandes. Viele Wegbegleiter und Freunde sind gekommen, um sich von Wolfram Mager zu verabschieden, der nach 41 Dienstjahren in den Ruhestand geht.
"Heute sagen wir einem Menschen ausdrücklich Dank, der über viele Jahre hinweg seine Talente nicht vergraben hat", betonte Caritasrektor Domkapitular Ulrich Dombrowski in seiner Predigt. Von der unmittelbaren Fürsorge bis hin zur Verantwortung in der Verwaltung habe Mager konstruktiv gewirkt. "Wo neue Vorschriften Verunsicherung auslösten, hast du sie geduldig übersetzt - nicht nur in verständliche Worte, sondern in alltagstaugliche Lösungen. Das ist eine besondere Kunst. Insofern warst Du vermittelnd, aber auch standhaft, wenn es um die Sache ging."
Der Leiter des Altenpflegeheimes St. Gertrud in Leipzig, Klaus Mildner, würdigt Wolfram Mager im Namen der Einrichtungen.Foto: Andreas Golinski
Eine gute Seele der Caritas
Unterstützung für die Einrichtungen, Kompetenz und geradliniges Denken, bescheinigt der Heimleiter des Altenpflegeheimes St. Gertrud, Klaus Mildner, dem scheidenden Vorstand, der als Leiter der Personalabteilung auch viele Jahre stellvertretender Caritasdirektor war. "Mit Ihnen verlässt ein umfassender Wissensträger die Caritas in unserem Bistum", so Mildner. "Mit Ihnen verlässt, und das sage ich auch gern persönlich, eine gute Seele der Caritas unsere Dienste, die mit höchstem Verantwortungsbewusstsein die vielen Jahre wichtige und spannende Führungs- und Fachaufgaben wahrgenommen hat."
Als "wandelnde AVR" (Arbeitsvertragsrichtlinien der Caritas) bezeichnete Johannes Brumm, Sprecher der Dienstgeberseite der Arbeitsrechtlichen Kommission, seinen langjährigen Kollegen. Wolfram Mager habe das Arbeitsrecht der Caritas wesentlich mitgeprägt und das Tarifwerk mitgestaltet. Die Arbeitsrechtliche Kommission sei ohne ihn eigentlich nicht vorstellbar. Aber: "Genieße jetzt dein Leben ohne Paragraphen", gibt Brumm dem künftigen Ruheständler mit auf dem Weg. Den "guten Draht" zur Ortsebene hob die Geschäftsführerin des Caritasverbandes Chemnitz, Sabine Geck, hervor. Den Dekanatscaritasverbänden habe er immer mit "Rat und Tat" zur Seite gestanden. Geck erinnerte daran, dass Magers Berufsweg auf der Ortsebene begonnen habe.
Vom Vorsitzenden des Caritasrates Peter Rauscher erhält Wolfram Mager das Ehrenzeichen in Gold des Deutschen Caritasverbandes.Foto: Andreas Golinski
Für sein Lebenswerk erhielt Wolfram Mager aus den Händen des Vorsitzenden des Caritasrates, Peter Rauscher, das Ehrenzeichen des Deutschen Caritasverbandes in Gold. Seine Zeit bei der Caritas lasse sich auch in Zahlen ausdrücken, betont er selbst am Schluss. "Vier Päpste, vier Bischöfe, fünf Caritasdirektoren." Mager erlebte die Wiedererrichtung des Diözesancaritasverbandes, aber auch die Neugründung einiger Dekanatscaritasverbände. Das Fazit am Ende seines Berufslebens: "Die Caritas ist ein sichtbarer und erfahrbarer Teil von Kirche. Ohne die Caritas wäre die Gesellschaft ärmer."
Die Mitarbeitenden im Blick
Bereits einen Tag zuvor hat sich Wolfram Mager von den Mitarbeitenden der Geschäftsstelle des Diözesancaritasverbandes verabschiedet. Als Dienstgeber habe er seine Kolleginnen und Kollegen immer im Blick gehabt, betonte die Vorsitzende der Mitarbeitervertretung, Antoinette Steinhäuser. "Wir durften erfahren, dass wir stets mit Ihnen ins Gespräch kommen konnten, auch wenn wir durchaus nicht immer einer Meinung waren, manchmal auch nicht nach den Gesprächen", sagt Steinhäuser. "Aber Ihre Worte hatten Gehalt, und wir konnten miteinander stets eine tragfähige Entscheidung finden."
Ganz wesentlich hat Wolfram Mager an der neuen "AVR 2027" mitgewirkt, die erst nach seiner Dienstzeit in Kraft tritt, für die er aber die Weichen mitgestellt hat. Von den Mitarbeitenden zum Abschied gibt es aber die "AVR 2026", die "Abschiedsgrüße von Herzen zum Renteneintritt" - persönliche Geschichten, Anekdoten, Erinnerungen und Fotos, die seine langjährige Mitarbeiterin Cindy Süß vorstellt und die die Caritas auch im Ruhestand lebendig halten sollen.
Peter Rauscher begrüßt offiziell die neue Vorständin Claudia Kokott.Foto: Andreas Golinski
Gute Entscheidungen entstehen im Dialog
In den Startlöchern steht Magers Nachfolgerin, Claudia Kokott, nicht mehr. Die neue Finanz- und Personalvorständin ist nämlich schon 99 Tage da, wie sie selbst ausrechnet. Nur ein Tag fehlt an den 100, an dem man üblicherweise erste Bilanz ziehe, betont sie. Claudia Kokott bedankt sich für das Vertrauen, das ihr entgegengebracht wurde, für die konstruktive und zugewandte Arbeit in den ersten Wochen. "Diese ersten 99 Tage waren geprägt vom Zuhören, vom Verstehen und vom Lernen. Ich habe viele Gespräche geführt - im Vorstand, mit dem Caritasrat, mit Führungskräften, Mitarbeitendenvertretungen und mit Partnern. Was ich dabei erlebt habe, ist eine starke Gemeinschaft".
In ihrem Ressort Finanzen und Personal sieht die neue Vorständin eine große Bedeutung. "Wir stehen in einem Umfeld wachsender Anforderungen: steigende Kosten, zunehmende Regulierung, angespannte öffentliche Haushalte, ein spürbarer Fachkräftemangel." All das verlange klare Antworten. Finanzen seien kein Selbstzweck, sondern "Ausdruck unserer Verantwortung. Jeder Euro, den wir verwalten, ist anvertrautes Gut."
Wichtig sind Claudia Kokott besonders die Mitarbeitenden. "Unsere Mitarbeitenden sind das Herz der Caritas. Ihre Kompetenz, ihr Engagement und ihre Haltung prägen das Gesicht unseres Verbandes", betont sie. In Zeiten des Fachkräftemangels reiche es nicht, zu reagieren. Als Arbeitgeber müsse die Caritas überzeugen - "mit klarer Führung, mit verlässlichen Rahmenbedingungen, mit einer Kultur der Wertschätzung und mit echten Entwicklungsperspektiven". Die Arbeit im Team sei dabei besonders wichtig: "Gute Entscheidungen entstehen nicht im Alleingang. Sie entstehen im Dialog", sagt Claudia Kokott.
Andreas Schuppert