Ökumene wird groß geschrieben: Oberkrichenrat Dietrich Bauer (links) und Domkapitular Ulrich Dombrowsky halten zusammen die Andacht.Fotos: Max Schädlich
Das Tageslicht scheint noch etwas matt in den Luthersaal unweit der Evangelischen Friedenskirche in Kötzschenbroda. Langsam füllt er sich, denn die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Begegnungstages haben sich zu einer Morgenandacht verabredet. Singen, beten, in der Bibel lesen - das verbindet die knapp 60 Frauen und Männer, die evangelisch, katholisch sind oder keiner Konfession angehören und in den Geschäftsstellen der beiden christlichen Wohlfahrtsverbände arbeiten. Bei Diakonie und Caritas wird Ökumene großgeschrieben. Diakonie-Chef Oberkirchenrat Dietrich Bauer und Caritasrektor Domkapitular Ulrich Dombrowsky halten die Andacht gemeinsam.
Auch für Diakonie und Caritas in Sachsen sind die Zeiten härter geworden. Auch sie stehen vor großen Herausforderungen, wie Domkapitular Dombrowsky in seiner Predigt hervorhebt. Die globalen Probleme in einer immer sich rasanter verändernden Welt erforderten gerade heute das Wirken von Diakonie und Caritas. Die christlichen Antworten auf die Nöte der Menschen seien nach wie vor gefragt. Das aber gehe nur in gemeinsamer Anstrengung.
Generationengerechtigkeit war unter anderem Thema des Begegnungstages.
Generationengerechtigkeit ist Zukunftsgerechtigkeit
Davon sind auch die beiden Vorständinnen Claudia Kokott (Caritas) und Kathleen Westpahl (Diakonie) überzeugt, die die Mitarbeiter im Diakonischen Amt begrüßen. "Uns verbindet mehr als uns unterscheidet", sagt Claudia Kokott. "Wir stehen auf demselben Fundament. Unser christliches Profil gibt uns Orientierung, und es gibt uns zugleich den Auftrag, für alle Menschen offen zu sein."
Dazu gehöre auch ein "ehrlicher Blick", so Kathleen Westphahl, "wie die Lage tatsächlich ist". Das Geld werde knapper, die Menschen, "die bei uns arbeiten", immer weniger und der gesellschaftliche Zusammenhalt brüchiger. Stichwort: Generationengerechtigkeit - nicht nur Thema der Caritas-Jahreskampagne 2026, sondern auch der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Sachsen unter dem derzeitigen Vorsitz der Diakonie. "Wie gestalten wir Solidarität zwischen Jung und Alt? Und wie sichern wir soziale Verantwortung für die, die nach uns kommen?", fragt Kathleen Westphahl.
Professor Ralf Evers: An zukünftige Generationen denken.
Gesellschaftliche Verantwortung - Aufgabe für Diakonie und Caritas
Eine Antwort darauf versucht Ralf Evers, Professor für Praktische Theologie und Generationenbeziehungen an der Evangelischen Hochschule Dresden, in seinem Impulsvortrag. Neue soziale Fragen stellen sich besonders durch den demografischen Wandel, ökologische Grenzen oder durch den Zusammenhalt in der Gesellschaft. Auch für die Menschen, die heute keine Stimme haben, "weil sie noch klein oder noch gar nicht am Leben sind". Die Zukunftsfähigkeit des Gemeinwesens sei die eigentliche Gerechtigkeitsfrage. In der Perspektive der christlichen Soziallehre eine besondere Aufgabe für Diakonie und Caritas - darin bestehe ihre gesellschaftliche Verantwortung.
In Workshops vertiefen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Begegnungstages die Themen. Wie können Generationsgerechtigkeit, christliches Profil, die Zusammenarbeit beider Verbände oder die Demokratie im Land gestärkt werden? Dabei zeigt sich im Sinne der Caritas-Jahreskampagne: Zusammen geht was. In der gemeinsamen Arbeit, in den persönlichen Beziehungen von evangelischen und katholischen Christen oder konfessionslosen Menschen, die "gern bei uns arbeiten", wie jemand sagt. Zusammen? Die Mitarbeitenden von Diakonie und Caritas wollen sich wiedertreffen. (as)
Workshops vertiefen die Themen beim Mitarbeitendentag.