Schwester Josefa hat zum Abschied viele Hände geschüttelt.Fotos: Andreas Schuppert
Mit dem Abschied von Schwester Antonia Segebarth hat die Gemeinschaft die Hausleitung der Familienferienstätte St. Ursula bereits 2022 abgegeben. Da ist Schwester Josefa gerade erst gekommen - zunächst als kommissarische Leiterin. Dann, um die Arbeit des Teams zu unterstützen, um mit anzupacken, wo es nötig ist, und um die Anwesenheit der Gemeinschaft weiterzuführen. Für drei Jahre war sie die "gute Seele" des Hauses, hatte ein offenes Ohr für die Probleme der Menschen und hielt Wortgottesdienste. Nun ist auch sie feierlich verabschiedet worden.
Damit geht für die Caritas und das Bistum eine Ära zu Ende. Seit 1955 hat die Schwesterngemeinschaft in Naundorf gewirkt. Erst für die Frauen, die zur Müttergenesung zu Gast waren. Später für die vielen Urlauber, die Erholung suchten, aber auch für Gäste, die hier religiöse Freizeit erlebten. Jahrzehnte haben die Schwestern das Haus offengehalten - in der für Christen schwierigen DDR-Zeit ein Ruhepol, eine Rettungsinsel für Menschen, die in ihrem Alltag oft angefeindet wurden.
Bischof emeritus Joachim Reinelt ist mit der Familienferienstätte St. Ursula und den Schönstätter Marienschwestern lange verbunden.
Das Feuer der Liebe Gottes weitergegeben
Bischof emeritus Joachim Reinelt kennt das Haus ebenfalls seit 70 Jahren. Seine Mutter hat sich hier in der Obhut der Schwestern erholt. Als junger Diakon hat er ein Praktikum in Naundorf absolviert und provisorisch im Taubenschlag geschlafen, weil das Haus überfüllt war, wie er sich erinnert. Die Schwestern haben den Gästen von St. Ursula das "Feuer der Liebe Gottes" weitergegeben, sagt Bischof Reinelt in seiner Festpredigt. Dies bleibe eine wichtige Aufgabe. Die Welt von heute benötige "die Kostbarkeiten" der Gemeinschaft und der gegenseitigen Zuwendung, wie es die Schwestern vorgelebt haben.
Die Familienferienstätte St. Ursula sei "ohne die Schwestern eigentlich schwer vorstellbar", betont Veit Kokott, Abteilungsleiter Trägerschaften im Caritasverband für das Bistum Dresden-Meißen, in dessen Zuständigkeit die Einrichtung fällt. "Das Wirken der Schwestern begehen wir heute mit Wehmut, vor allem aber mit Dankbarkeit". Was mit der Müttergenesung begann, setzte sich in der Aspirantur (Vorbereitungszeit) für angehende Kindergärtnerinnen seit 1959 fort. Später kamen Freizeiten für Studenten, Gemeinden, Kinder und Jugendliche sowie für Menschen mit Beeinträchtigungen hinzu.
Caritas-Abteilungsleiter Veit Kokott blickt auf das Wirken der Schwestern zurück.
Vielfältige Angebote in der Familienferienstätte
Wahre Bildungsinseln besonders unter der kommunistischen Herrschaft waren die Kirchengeschichtskurse, die sehr gefragt waren und in Naundorf bis heute stattfinden. Darüber hinaus haben die Schwestern auch viele Jahre gemeinschaftliche Angebote gemacht: Wallfahrten, Freizeiten für Mädchen, Großeltern-Enkel-Tage. Und viele Familien haben in Naundorf Urlaub gemacht - Erinnerungen, die nicht vergehen. Herausfordernd waren die schwierigen Wochen der Flut 2002, in denen Bewohner von Senioreneinrichtungen Zuflucht bei den Schwestern gefunden haben. Seelsorglich, so blickt Veit Kokott zurück, haben die Schwestern auch während der Corona-Krise gewirkt sowie die Einrichtung als Testzentrum genutzt, um den Bewohnern der Umgebung weite Wege zu ersparen.
Das Ende eines langen, segensreichen Wirkens: Über 70 Jahre war die Schwesterngemeinschaft in Naundorf tätig.
Die Gemeinschaft selbst schaue mit Dankbarkeit zurück und bedauere sehr, aufgrund personeller Engpässe Aufgaben abgeben zu müssen, meint die Provinzassistentin Schwester M. Antonia Schomberg, die zum Abschied gekommen ist. "Wir haben hier Geschichte mitgeschrieben." Hausleiterin Yvonne Rost betont noch einmal den guten Geist des Hauses, den die Schwestern verbreitet haben. Das spürten auch die Mitarbeiter - denn sie konnten sich in schwierigen Lebenssituationen immer auf ihre Hilfe verlassen.
Schwester Josefa M. Sommer wird andere Aufgaben übernehmen. Ein großes Ereignis steht noch in diesem Jahr bevor. Die weltweit agierende Gemeinschaft feiert ihr 100-jähriges Jubiläum - mit vielen Gottesdiensten, Projekten und Veranstaltungen. 70 von den 100 Jahren hat eine Schwesterngemeinschaft in Naundorf gewirkt und gearbeitet. (as)