Bischof em. Dr. Joachim WankeFoto: Peter Weidemann / Bistum Erfurt
Bischof Heinrich Timmerevers erklärt zum Tod von Joachim Wanke:
"Mit großer Trauer haben wir im Bistum Dresden-Meißen die Nachricht vom Tod von Bischof em. Dr. Joachim Wanke aufgenommen. Mit ihm verliert die Kirche in Ostdeutschland eine Gestalt, die weit über ihre eigene Diözese hinaus Orientierung gegeben hat. Joachim Wanke war ein Bischof von klarem theologischem Urteil und zugleich von bemerkenswerter menschlicher Zugewandtheit. Er hatte die seltene Gabe, den Glauben so zur Sprache zu bringen, dass seine Tiefe spürbar blieb und er doch die Fragen der Gegenwart nicht scheute.
Gerade für die Kirche in den neuen Bundesländern war Joachim Wanke über viele Jahre eine prägende Stimme. Er wusste aus eigener Erfahrung, was es heißt, als Christ in einer weithin säkularen Umgebung zu leben, und er hat nie aufgehört, darin nicht zuerst einen Mangel, sondern einen geistlichen Auftrag zu sehen. Viele seiner Gedanken über die Sendung der Kirche in Ostdeutschland wirken bis heute nach. Er hat uns ermutigt, nicht in Resignation zu verfallen, sondern mit innerer Freiheit, geistlicher Klarheit und missionarischer Gelassenheit unseren Weg zu gehen.
Ich verbinde mit seinem Namen auch eine Kirche, die das Gespräch sucht: mit den Suchenden, mit den Getauften, mit denen, die der Kirche fernstehen, und mit den Christinnen und Christen anderer Konfessionen. Joachim Wanke war ein Brückenbauer - weil er aus einem tiefen Glauben heraus das Verbindende stärken konnte. Seine Perspektive aus Ostdeutschland, das mittlerweile auch mein Zuhause ist, habe ich in der Bischofskonferenz von Beginn an sehr geschätzt.
Immer wieder erzählen mir Christinnen und Christen in unserem Bistum von Begegnungen mit Bischof Wanke, ob beim großen Elisabeth-Jubiläum 1981 in Erfurt oder zu anderen Anlässen. Es zeigt mir, wie sehr wir als Christen in der Diaspora die Verbundenheit brauchen und wie prägend die Persönlichkeit von Joachim Wanke für viele war.
In diesen Stunden des Abschieds gilt unser Gebet dem Verstorbenen. Unsere Anteilnahme gilt dem Bistum Erfurt, allen, die ihm menschlich und geistlich verbunden waren, und allen, die in ihm einen Seelsorger, Lehrer und Weggefährten verloren haben. Gott schenke ihm die Vollendung in seiner Gemeinschaft."
Das Bistum Dresden-Meißen ist in diesen Tagen des Abschieds im Gebet mit dem Bistum Erfurt verbunden. Für viele Katholikinnen und Katholiken in Ostdeutschland bleibt Joachim Wanke mit seinem bischöflichen Dienst, seinem theologischen Denken und seiner seelsorglichen Präsenz unvergessen.
Der Caritasdirektor im Bistum Erfurt, Philipp Nitsche, würdigt Bischof em, Dr. Joachim Wanke und erklärt unter anderem:
Mit großer Dankbarkeit und tiefer Wertschätzung nehmen wir Abschied von unserem langjährigen Bischof em. Dr. Joachim Wanke. Als Direktor des Caritasverbandes für das Bistum Erfurt e.V. und im Namen seiner zahlreichen Mitgliedseinrichtungen und Fachverbände, der vielen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist es mir ein aufrichtiges Anliegen, Dank zu sagen - Dank für ein Leben im Dienst an Gott und den Menschen.
Viele Jahrzehnte des gemeinsamen Weges im "Land der Heiligen Elisabeth" verbinden uns. Wer auf diesen Weg zurückblickt, findet viele Bilder, die sein Wirken beschreiben: Er war einBrückenbauer zwischen Menschen, zwischen Kirche und Gesellschaft, zwischen Pastoral und Caritas. Und er war - im besten Sinne - ein Vater der Armen. Unvergessen bleiben die Besuche am Heiligen Abend in der Erfurter Suppenküche, wenn er Obdachlose und sozial Schwache aufsuchte. Auch im Namen dieser Menschen, die wahrlich nicht auf der "Sonnenseite des Lebens" stehen, sagen wir heute Dank - für mutmachenden Zuspruch, für offene Ohren und für eine sensible Anteilnahme, die von Herzen kam.
Über unserem Land und unserem Bistum hat er - im Bild gesprochen - den "Himmel offen gehalten". Mit klarem Wort und warmem Herzen hat er vielen Menschen den christlichen Horizont erschlossen.
Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Caritas hat er den katholischen Glauben im ökumenischen Kontext verständlich und klar buchstabiert - viele sagten: verständlich und zeitgemäß, auf "mitteldeutsch".
Gerade in einer Zeit, die vielen unübersichtlich und schnelllebig erscheint, hat er Orientierung gegeben, Perspektiven aufgezeigt und Wegmarken gesetzt. Eine Zeitung schrieb einst treffend: "Bischof Wanke habe sein Feld gut bestellt." Heute können wir sagen: Dieses Feld trägt weiterhin Frucht.
Quellen: Presse Bistum Dresden-Meißen/Presse Diözesancaritasverband Erfurt