Trug bislang als Generalvikar Verantwortung für das Bistum und ist jetzt Diözesanadministrator: Andreas Kutschke.Foto: Michael Baudisch
Der 52-jährige leitet damit die katholische Kirchenregion in Sachsen und Ostthüringen, zu der aktuell rund 124.700 Katholiken gehören, in der Zeit der sogenannten "Sedisvakanz". Der Begriff umschreibt die Phase, in der der Bischofsstuhl eines Bistums unbesetzt ist.
Als Generalvikar besitzt Andreas Kutschke umfangreiche Erfahrung: Sowohl unter Bischof Dr. Heiner Koch als auch unter Bischof Heinrich Timmerevers war er als Leiter des Bischöflichen Ordinariats und persönlicher Stellvertreter des Bischofs verantwortlich für die organisatorischen Abläufe des Bistums. Darüber hinaus hat er die Diözese bereits einmal während der Zeit einer Sedisvakanz (2015-2016) als Diözesanadministrator geleitet.
Bistum vor großen Herausforderungen
Andreas Kutschke: "Seit Jahren sieht sich unser Bistum großen Herausforderungen gegenübergestellt. Mit Gottes Hilfe will ich gerne meine Kräfte zur Verfügung stellen, das Bistum Dresden-Meißen gut durch diese Zeit der Sedisvakanz zu führen. Dazu bitte ich alle Gläubigen um ihre Unterstützung und ihr Gebet; besonders aber auch um einen guten neuen Bischof." Zum Ständigen Vertreter des Diözesanadministrators hat Andreas Kutschke in einem ersten Beschluss Domkapitular Bertram Wolf ernannt, der bisher neben seinen Aufgaben für das pastorale Personal auch stellvertretender Generalvikar war.
Die Befugnisse des Diözesanadministrators entsprechen im Wesentlichen denen eines Bischofs. Allerdings darf er laut Kirchenrecht keine Grundsatzentscheidungen treffen, die den neuen Bischof binden oder in seinen bischöflichen Rechten beeinträchtigen könnten. Mit dem Amtsantritt des nächsten Bischofs endet die Amtszeit des Diözesanadministrators.
Die Wahl war nötig geworden, da seit der Annahme des Amtsverzichts von Bischof Heinrich Timmerevers (74) durch Papst Leo XIV. am 2. September der Dresdner Bischofsstuhl unbesetzt ist. Das Kirchenrecht sieht vor, dass das Domkapitel daraufhin binnen acht Tagen einen Diözesanadministrator wählen muss.
Zur Person: Andreas Kutschke
Andreas Kutschke wurde am 7. November 1973 in Wurzen geboren und wuchs in Thammenhain bei Wurzen auf. Er studierte in Erfurt und an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom Theologie. Am 18. Mai 2002 wurde er in Dresden zum Priester geweiht. Nach Kaplansstellen in Zittau und in der Dompfarrei Bautzen war er ab 2010 als Pfarrer in Stollberg tätig. Unter Bischof Dr. Heiner Koch trat er am 6. Januar 2014 erstmals das Amt als Generalvikar des Bistums Dresden-Meißen an. Darüber hinaus berief ihn Bischof Koch zum Domkapitular des Domkapitels St. Petri zu Dresden; dem Gremium steht er seit 4. März 2018 inzwischen als Domdekan vor.
Mit der Ernennung Heiner Kochs zum Erzbischof von Berlin am 8. Juni 2015 erhob er für die Dauer seines Amts als Apostolischer Administrator des Bistums Dresden-Meißen Andreas Kutschke zu seinem ständigen Vertreter. Diese Funktion endete mit der Amtseinführung Kochs in Berlin am 19. September 2015. Einen Tag später wählte ihn das Domkapitel zum Diözesanadministrator des Bistums Dresden-Meißen.
Mit der Amtseinführung am 27. August 2016 als neuer Bischof von Dresden-Meißen ernannte ihn Heinrich Timmerevers erneut zum Generalvikar.
Die Wahl des nächsten Bischofs
Bei der Neubesetzung des Bischofsstuhls in Dresden finden die Regelungen des Badischen Konkordats von 1932 Anwendung. Dazu legt das Dresdner Domkapitel dem Papst eine aktuelle Liste geeigneter Kandidaten vor. Darüber hinaus war der Bischof von Dresden-Meißen angehalten, dem Vatikan alljährlich eine Zusammenstellung geeigneter Nachfolger zuzusenden. Unter Würdigung dieser Vorschläge erstellt der Heilige Stuhl eine Liste mit drei Namen - die sogenannte "Terna" - die mindestens einen Kandidaten aus dem Bistum Dresden-Meißen enthalten soll. Aus dieser Dreiergruppe wählt schließlich das Dresdner Domkapitel in freier und geheimer Wahl den neuen Bischof, den 51. Hirten auf dem Bischofsstuhl des Bistums Dresden-Meißen. Das Domkapitel hat bereits dazu beraten, in wie weit der Handlungstext des Synodalen Wegs 'Einbeziehung der Gläubigen in die Bestellung des Diözesanbischofs' Berücksichtigung finden kann.
Die Suche nach einem geeigneten Kandidaten dauert erfahrungsgemäß bis zu einem Jahr und länger.
Stichwort: Domkapitel
Das Domkapitel ist nach dem Bischof eines der wichtigsten Organe des Bistums. Zu seiner Hauptaufgabe zählt es zunächst, für die feierliche Gestaltung der Gottesdienste in der Kathedrale Sorge zu tragen. Daneben ist das Gremium beratend und unterstützend für den Bischof tätig. Im Fall der Sedisvakanz bestimmt es den Diözesanadministrator und wirkt an der Wahl des neuen Bischofs maßgeblich mit. Das Domkapitel wird ausschließlich mit Geistlichen besetzt. Ihre Zahl ist in Verträgen mit dem Vatikan festgelegt. Das Dresdner Domkapitel zählt sechs Domkapitulare.
Dazu gehören aktuell: Domdekan Andreas Kutschke als Leiter des Gremiums sowie die Residierenden Domkapitulare Dompfarrer Norbert Büchner (Dresden), Pfarrer Ulrich Dombrowsky (Dresden/Meißen), Dompfarrer Veit Scapan (Bautzen), Pfarrer Stephan Delan (Ralbitz) und Ordinariatsrat Regens Bertram Wolf (Dresden).
Als Nichtresidierende Domkapitulare gehören dem Gremium darüber hinaus Propst Benno Schäffel (Chemnitz), Propst Ralph Kochinka (Leipzig) sowie Pfarrer Christian Hecht (Gera) an.Emeritierte Domkapitulare sind Pfarrer i. R. Dr. Bernhard Dittrich (Ostritz), Domdekan em. Pfarrer i. R. Klemens Ullmann (Dresden) sowie Pfarrer i. R. Alfred Bock (Dresden).
Seinen historischen Ursprung hat das Domkapitel in der Priesterschaft einer Bischofsstadt. In der Kirche des Bischofs kamen diese Geistlichen zusammen, um miteinander Gottesdienst zu feiern und das Stundengebet zu beten. Im Lauf der Jahrhunderte erlangte das Domkapitel eine hohe rechtliche Stellung und besonderes Ansehen.
Michael Baudisch